Im Seminar erschliessen wir die anhaltende Relevanz des überfrachteten und nostalgischen Begriff der Entfremdung. Wie und als was lässt sich das “Fremde” im Sinne einer Kritik und ästhetischen Kategorie berhaupt noch artikulieren und produzieren angesichts gegenwärtiger Bildwelten und Narrative ? Wie sind ökonomisch-gesellschaftliche Dynamiken —Identity/Community, Eigentum/Aneignung oder Abstraktion/Repräsentation— zu reflektieren um Entfremdung als verknüpfende moderne Kapitalismus- und Kolonialismuskritik aktuell zu diskutieren, nicht als bloße Enteignung oder Verlust sondern als verfremdende Vereinahmung und Entkopplung?
Wir greifen auf die Lektüre einschlägiger Entfremdungskritiken der Nachkriegsmoderne zurück die bis—oder gerade wieder—heute durch verschiedene Positionen reflektiert werden. Wir arbeiten mit gemeinsam sortiertem Bildmaterial sowie mit Texten von u.a. Frantz Fanon, Aimé Césaire, Suzanne Césaire, Guy Debord, Raoul Vaneigem, Sylvia Wynter, Stuart Hall, Amy Wendling, McKenzie Wark, TJ Demos, Achille Mbembe, Marcello Musto, Olu Oguibe, Kobena Mercer, David Joselit, Fred Moten und besprechen Werke moderner und zeitgenössischer Kunst.