Drei Grundlegungen: Existenz, Begehren, Sinn

Drei Grundlegungen: Existenz, Begehren, Sinn

Die Moderne lässt sich als grundlegende Krise des Sinns beschreiben. Gleichsam unter der Hand geraten die seit dem 17. Jahrhundert immer wieder von Neuem aufgeworfenen Sinnansprüche von Politik, Wissenschaft und Kultur an den Abgrund. Ein neuer Grund will sich nicht einstellen, und es scheint sogar zu sein, dass die modernen Sinnansprüche, wurzelnd in einer unbedingten Kritik aller vorgegebenen Wahrheiten und Autoritäten im Sinne einer „Umwertung aller Werte“, sich selbst konstitutiv unterminieren, eben weil sich ihre kritischen Methoden der Kritik nicht stillstellen lassen und sofort selbst gegen jede gefundene Begründung gewendet werden können.

 

Vor dem Hintergrund dieser elementaren Sinnkrise - dem Mangel an Sein, Wahrheit oder Totalität - versucht das Seminar drei derjenigen Kriterien zu diskutieren, die der Grundlosigkeit der Moderne doch noch einen Grund unterschieben wollen: Existenz, Begehren und Sinn. Alle drei Begriffe ringen damit, den individuellen Seinsweisen grundlegende Bedeutung zu unterstellen, ohne hierfür auf vorgegebene Begründungen zurückzugreifen. Sie infiltrieren jedes politische und künstlerische Denken ohne darin zumeist reflektiert zu werden. Doch wie kann überhaupt ein Grund gedacht werden: als begriffliche Bestimmung etwa im Sinne von Anfang, Ursprung, Sein und Werden oder eher methodisch als Prinzip, Kategorie und Essenz? Und muss überhaupt ein Grund gedacht werden? Geht es auch ohne Grund oder lauern hier nur Anarchie und Nihilismus?

 

Literatur:

Soren Kierkegaard, Entweder – Oder (1843)

Martin Heidegger, Vom Wesen des Grundes (1929)

Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie (1943)

Jacques Lacan, „Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten und die Vernunft seit Freud“ (1957)

Martin Heidegger, Der europäische Nihilismus (1961)

Reiner Schürmann, Heidegger on Being and Acting: From Principles to Anarchy (1982), 1990

Niklas Luhmann, Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie, 1984

Alain Badiou, Das Jahrhundert, 2006

Catherine Malabou, Ontologie des Akzidentiellen, 2011

Sonia Kruks, Simone de Beauvoir and the Politics of Ambiquity, 2012