Von ästhetischen Räumen

Von ästhetischen Räumen

„Wir leben im Zeitalter der Gleichzeitigkeit, des Aneinanderreihens, des Nahen und Fernen, des Nebeneinander und des Zerstreuten“, so begann Michel Foucault einen Vortrag aus dem Jahr 1967, der später unter dem Titel „Von anderen Räumen“ veröffentlicht wurde. Während er den Horizont des 19. Jahrhunderts mit einem auf Sukzessivität aufbauenden Begriff von Zeit verband, sah er die Theorien und Systeme seiner Epoche eher in der Kategorie des Raumes verhaftet. Ob Foucaults fast 50 Jahre zurückliegende These als verallgemeinernde Diagnose zutrifft, sei dahingestellt. Dass aber ein Denken im Räumlichen in den darauf folgenden Jahrzehnten einen prominenten Platz in verschiedenen Disziplinen eingenommen hat, lässt sich nicht bestreiten.

Auch für die Künste ist der Raum in unterschiedlichen Aspekten eine Orientierungsgröße. Er kann Objekt des Interesses oder Mittel zur Erkenntnis sein – nicht nur als ästhetischer Raum, Wahrnehmungsraum, erlebter Raum, Bildraum und virtueller Raum, sondern auch als Relationsraum und Beziehungs- oder Wirkungsgefüge: Die Kategorie Raum ist eine Basis für die Beschreibung kultureller und sozialer Vorgänge und kann als Produkt bzw. Produzent gelebter Praxis verstanden werden. Damit ist er beispielsweise für aktivistische Positionen und für eine Kunst, die sich im öffentlichen Raum oder im Ausstellungsraum um eine Ortsspezifik bemüht, von Interesse.

Das Seminar setzt es sich zum Ziel mögliche Betrachtungsweisen des Topos Raum anhand ausgewählter Lektüren zu erarbeiten. (u.a. Hannah Arendt, Marc Augé, Pierre Bourdieu, Michel de Certeau, Gilles Deleuze, Brian O´Doherty, Erika Fischer-Lichte, Michel Foucault, Sybille Krämer, Maurice Merleau-Ponty, Juliane Rebentisch, Erwin Panofsky)In einem zweiten Schritt sollen diese Denkfiguren auf ihre Relevanz und vor allem ihre Aktualität für künstlerische und kunsttheoretische Ansätze befragt werden.